SCULPTURE

Ob Algorithmen aus Kohlenstoff (Menschen) oder aus Silizium (Rechner), es besteht kein Grund mehr anzunehmen, organische Algorithmen könnten Dinge tun, die nichtorganische niemals tun könnten. Im Gegenteil, wie das Werk B.J.Bartolomes erstmals zeigt. Das Werk ist nicht mehr abhängig von der Gegenwart des Künstlers. Das Werk selbst ist „schöpferisch“, lernt und vollendet sich selbst. Es ist in diesem Sinn – unendlich.

Der Mensch als ein organischer Algorithmus übertraf bis vor kurzem nichtorganische KI (Maschinen). Heute übertrifft KI den Menschen. Das autonome Werk verschiebt und hinterfragt die menschenzentrierten Parameter künstlerischen Schaffens, das Werk wird zum offenen Experiment gegen das Fragment, gegen den biologischen Lebenstakt der Zeit in allen Organismen aus Embryogenese, Ontogenese, Alterung und Tod.

SKULPTUR

Das Werk selbst ist „schöpferisch“, lernt und vollendet sich selbst. Es ist in diesem Sinn - unendlich.

B.J.Bartolome hat sein bildnerisches Ich sowie klassische bildnerische Medien und Gattungen in Algorithmen geschrieben und mittels KI ein Werk geschaffen, das von der Gegenwart des Künstlers nicht mehr abhängt. Das Werk selbst ist „schöpferisch“, lernt und vollendet sich selbst.

NOTATION + NFT
Ein Teil des Werks liegt in digitaler Form (Notation) vor. Eine Notation repräsentiert den Raum des Werks, in dem das Werk entsteht. Ein weiterer autonomer Wert liegt als NFT vor. Ein weiterer als körperliches Artefakt (analoger Zwilling).

ANALOGER ZWILLING
Digitale bildnerische Notationen steuern intelligente Maschinen und Roboter an, die autonome analoge Werke, analoge Zwillinge erschaffen. Ein analoger Zwillinge ist der Teil des Werks, der an konkreten Orten in der realen Welt verankert ist. Aus dieser Werkebene (Topografie des Areals von Aufstellorten) leiten sich weitere autonome Werke ab, die das Gesamtwerk bilden. Bildnerische Arbeit -> Codes -> analoge Medien -> digitale Transformation -> selbstlernende Codes (KI) -> Bild, Ton, Film, Skulptur (…) bilden eine vollendete interaktive Symbiose aus selbstlernender Kunst + KI. Sujet + Inhalt + Material zielen auf eine kritische Wirklichkeits- und Bildwahrnehmung, die taktile sowie haptische Reize hinterfragen und Kunst als generativen Wahrheitprozess betrachtet.

RAUM

ORT | ZEIT

Raum ist eine Art „Behälter“ für Materie und Felder,
in dem sich alle physikalischen Vorgänge abspielen.
Raum ist nicht absolut, sondern vom Beobachter abhängig.
In der Quantentheorie verlieren die Begriffe „Raum“
und „Zeit“ ihre Bedeutung.

Er ist das Grundelement geographischer Betrachtung
und Ort für das persönliche Raumerleben.
Geomorphologen betrachten Raumbezüge durch
Koordinaten in Verbindung mit zeitlichen Dimensionen.

LINIE

ZEICHEN | ENTITÄT

Mit der Algorithmierung sämtlicher Bereiche der Zivilisation erlebt die Menschheit einen Umbruch von gleicher Tragweite wie durch die Einführung der Sprache, der Schrift und des Buchdrucks. Industrie 4.0, probabilistische Algorithmen im Hochfrequenzhandel, Soziale Netzwerke, die Wahl eines US Präsidenten, die Indexierung des Weltwissens – Algorithmen (KI) durchdringen und beeinflusst alle menschlichen Lebensbereiche.

DIE GESAMTHEIT MENSCHLICHER KOGNITIVEN FÄHIGKEITEN WIE ERINNERN, DENKEN, FÜHLEN, ENTSCHEIDEN, DICHTEN, KOMPONIEREN WERDEN AUF BINÄRE CODES ÜBERTRAGEN.

Damit einher gehen vergleichbare Entwicklungen in Kunst, Wissenschaft, Gesellschaft und Industrie. Weltweit arbeitet eine Avantgarde aus Kunst und Forschung am Verständnis solcher Entwicklungen. Zumal niemand wirklich weiß, wie selbstlernende Algorithmen zu ihren Schlüssen kommen.

Unsere Welt ist eine vermischte, erweiterte Realität (Mixed Reality), in der sich unsere Wahrnehmung mit einer künstlichen Wahrnehmung vermischt. In der jeder mit Algorithmen und Künstlicher Intelligenz interagiert. Oft, ohne es zu bemerken. Millionen von Menschen kommunizieren täglich mit KIs oder Chatbots – die sie irrtümlich für Menschen halten. Technische und ästhetische Normen sind einem tiefgreifenden Wandel unterworfen. Und ein Merkmal dieses Wandels ist das autonome Werk im digitalen Code.

WAS BILDET (KÜNFTIG) DAS WESEN DER KUNST? IST KUNST DAS PRODUKT EINES VERZÜCKTEN, FREIEN, SELBSTBESTIMMTEN GEISTES ODER EINER METAPHYSISCHEN SEELE – ODER NICHT VIELMEHR EIN PRODUKT ORGANISCHER ALGORITHMEN, DIE MATHEMATISCHE MUSTER ERKENNEN?

Künstliche Intelligenz lernt aus Daten. Künstler aus Wahrnehmung, Übung, Prägung und Imprinting, Vorstellung und Intuition. Organismen sind Algorithmen und Menschen keine Individuen. Sie sind Dividuen, eine Ansammlung verschiedener Algorithmen. Und die Algorithmen, aus denen ein Mensch besteht, sind nicht frei. Sie sind beeinflusst von Umwelteinflüssen und Genen. Sie treffen Entscheidungen deterministisch oder zufällig, niemals aber frei.

Die Symbiose aus Kunst + KI verschieben die menschenzentrierten Parameter und eröffnet eine neue evolutionäre Dimension. KI als tief lernendes künstlich-neuronales Netzwerk, das menschliches Handeln erweitert und übertrifft, in Verbindung mit dem Taktstock des Künstlers macht das Werk sukzessiv unabhängig von der Gegenwart des Künstlers. Es ist in diesem Sinn – unendlich. Anders ausgedrückt Super-KI, die menschliche Fähigkeiten in ängstigender Weise übertrifft:

Erzeugen durch Interaktion nur 50 Partizipanten jeweils 10 Skulpturen in einer Minute, sind innerhalb einer Stunde 30000 Werke entstanden. In einem Kalenderjahr 8760 x 30000 = 262.800.000 Skulpturen. Und so fort. Das Kunstwerk als Super-KI wird zum umfangreichsten skulpturalen Werk aller Zeiten, das erst endet, wenn man den Stecker zieht.

Das Werk wird zum offenen Experiment und Selbstversuch gegen das Fragment, gegen den Lebenstakt aus Einheiten von Sekunden, Tagen und Jahren, gegen den biologischen Ablauf der Zeit in allen Organismen aus Embryogenese, Ontogenese, Alterung und Tod.

SUPER KI & KOHÄRENZ

Algorithmische Systeme in Verbindung mit bildnerischen haben im Werk Bartolomes erstmals den Raum des Experiments und einer als begrenzt und abstoßend empfundene „Computer-Ästhetik“ überwunden. Die um algorithmische Bildmittel erweiterten Werke wirken selbst-beruhigend „analog“ und erfüllen eine Ästhetik und Kohärenz, die Kunstwissenschaft und gesellschaftliche Norm von einem konventionellen Kunstwerk erwarten würden.

Wie beiläufig werden im Werk Bartolomes auch die Echoräume des White Cube, eine normierte Bild- und Kunstästhetik, letztlich das System Kunst selbst hinterfragt. Das Werk ist Repräsentant einer künstlerischen (R)evolution, Form und Ausdruck eines Umbruchs, der stattfindet – in allen Bereichen unserer Wirklichkeit. Das Werk reagiert auf eine neue Wirklichkeit mit Interaktion, Algorithmen, selbstorganisierenden, relativ autonomen Prozessen. Und mit Reflexivität. Letztere macht das eigene Denken und bildnerische Handeln selbst zum Gegenstand des Werks.

Alles wird zum bildnerischen Material. Die Trennung von Kunst und Alltag, Raum- und Zeitempfinden, Natur- und Alltagsgegenstand, Aufführungsform und Wahrnehmung, die Rolle des Rezipienten selbst, Evidenz und Plausibilität werden ins Visier genommen. Das Werk spielt mit gewohnten Erwartungen, Konformität, Tradition und Normierung, dem “Kunst-Voodoo” aus Kunstmarkt, Emotion und (Kunst)Handwerk. Das Werk ist zukunftsweisend, es präsentiert sich in einer körperlosen Gegenwart, im binären Code und zugleich in einem materiellen Korrelat eines singulären Werks. Das Ziel scheint ein Bildnerisches: das vollendete künstlerische Werk. Um Claude Monet zu zitieren:

„Techniken ändern sich, die Kunst bleibt dieselbe”.

Mit besonderem Dank an
Prof. Dr. Knoll
Prof. Dr. Markus Zimmermann
Dr. Dr. G. Müller

Im Umfeld von Werken im öffentlichen Raum entstehen aus LINES, Topographie und Geolokalisierung weitere Werkzyklen. Sie nehmen Bezug zum Areal, in dem eine Skulptur verortet ist, reflektieren und erinnern es. Das ist Teil des Werks, durchbricht und erweitert den klassichen (Asstellungs)Raum, den White Cube und führt zum Denotat eines einzelnen Werks. Betrachter können sich – unabhängig vom eigenen Standort – virtuell via Geolokalisierung durch diesen globalen Kunstraum von Werk zu Werk führen lassen. Alle Arbeiten in diesem Katalog bilden ein Werk und entstanden zwischen Mai und Oktober 2019: